Skulptur Projekte Münster

Art Installing und Head of Installation als Praxis des Sorgetragens

modulorbeat sind 2027 erneut Teil der Skulptur Projekte Münster – diesmal in der Rolle der „Art Installer" und „Head of Installation“. Das Büro ist sowohl an der Planung als auch an der Umsetzung der künstlerischen Projekte beteiligt und arbeitet dabei eng mit dem Team der Skulptur Projekte sowie direkt mit den Künstler*innen zusammen. Die neue Position an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Idee, Planung, Material, Ort und konkreter Realisierung gibt Anlass zu einem Rückblick auf eine über zwanzigjährige Verbindung mit dem Langzeitprojekt.

Skulptur Projekte Münster 2007 – Architektur als Schaltstelle

Für die Skulptur Projekte Münster 2007 realisierte modulorbeat mit switch+ eine temporäre Architektur auf dem Vorplatz des ehemaligen Westfälischen Museums für Archäologie. Der rund zwölf Meter hohe Pavillon nahm zentrale Servicefunktionen der Ausstellung auf – Infopoint, Katalogverkauf, Verleih des multimedialen Führungssystems und eine thematische Buchhandlung – und schuf zugleich einen neuen öffentlichen Treffpunkt. Mit einem beweglichen Teil der Konstruktion veränderte switch+ als „urbane Weiche“ die Wegeführung und damit die Nutzung und Wahrnehmung des öffentlichen Raumes. Die goldfarbene Außenhaut aus perforiertem Kupferblech stellte Bezüge zum grafischen Erscheinungsbild der Skulptur Projekte und zu Otto Pienes Silberne Frequenz an der Museumsfassade her. Nach dem Ende der Ausstellung wurde der Pavillon abgebaut und später in Hamburg auf einem Ponton auf der Elbe wieder aufgebaut. Als Goldener Pavillon auf Entenwerder ist die Struktur heute Teil eines besonderen Ortes und eines neuen öffentlichen Zusammenhangs.

Carina Plath, eine der Kurator*innen der Skulptur Projekte Münster 2007, beschrieb switch+ als eine „Schaltstelle“: „Switch vermittelte als Schaltstelle nicht nur verschiedene Funktionen der Großausstellung, sondern als architektonische Signatur auch verschiedene historische und künstlerische Bezugsebenen der Projekte.“ Die Formulierung trifft eine Eigenschaft, die für die weitere Arbeit von modulorbeat im Umfeld der Skulptur Projekte charakteristisch ist: Architektur als Medium der Vermittlung zwischen Funktionen, Akteur*innen, Orten und Bedeutungsebenen.

Sommerakademie 2007

Auch die Sommerakademie gehörte 2007 zu den Arbeiten von modulorbeat. Eine leerstehende Büroetage wurde temporär in Werkstätten, Präsentations- und Aufenthaltsbereiche für die Kunstvermittlung transformiert. Ein Raumsystem aus modifizierten Stahlregalen, die partiell mit LKW-Folie verkleidet wurden, zoniert den Raum und definiert die Funktionsbereiche. Neben der Planung und Konzeption wurde das Projekt auch durch das Büro modulorbeat ausgeführt. 

Freihaus ms: 4 x Stadt

Parallel zu den architektonischen Arbeiten von modulorbeat entwickelte die Initiative Freihaus ms als Partner der Skulptur Projekte das Gesprächsformat „Hausgespräche im Metropolis - 4 × Stadt“. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Urbanität, Architektur und Öffentlichkeit. Damit begann auch eine zweite Linie der Beteiligung: nicht über gebaute Infrastruktur, sondern über die Herstellung von Räumen für Diskurs und Begegnung. Veranstaltungsort war das alte Kino Metropolis am Hauptbahnhof. Dort zeigte Clemens von Wedemeyer auch seinen Film „Im Gegenüber“, den der er für skulptur projekte münster 07 in der Bahnhofsumgebung gedreht hat.

Skulptur Projekte Münster 2017
Support Strukturen

2017 verschob sich der Schwerpunkt der architektonischen Arbeit von der einzelnen temporären Architektur hin zu einem System von Support Strukturen. Mit dem Servicepoint am Hauptbahnhof, dem Infopoint am LWL Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte und der der Umsetzung des Kunstvermittlungsbereiches entwickelte modulorbeat unterschiedliche architektonische Infrastrukturen für Information und Vermittlung. Sie machten die Ausstellung im Stadtraum sichtbar, unterstützten Orientierung und Zugang und stellten räumliche Bedingungen für die Begegnung von Kunst und Publikum her.

Freihaus ms – „Stadt ist, wenn man drüber spricht“

Auch 2017 wurde die Zusammenarbeit der Initiative Freihaus ms mit den Skulptur Projekten mit „Stadt ist, wenn man drüber spricht“ fortgesetzt. Über den Ausstellungszeitraum entstand im ehemaligen Büro von modulorbeat in der Hüfferstraße 20 ein offenes Stadtlabor und ein Kultursalon mit mehr als 50 Veranstaltungen zu Kunst, Architektur, Musik und Stadtkultur. Gespräche, Vorträge, Konzerte, Performances und eine internationale Summerschool brachten unterschiedliche Akteur*innen und Perspektiven zusammen. Zu Gast waren unter anderem die Turner Preisträger Assemble (London), Raumlabor (Berlin), Interboro Partners (New York) Martina Hefter (Leipzig), Fran Cottell (London), Urban Catalyst Studio (Berlin) und Umschichten (Stuttgart). Das Haus wurde dabei selbst zum Bestandteil des Programms. „Stadt ist, wenn man drüber spricht“ verstand sich als eine soziale und diskursive Infrastruktur, geprägt vom Interesse daran, wie Kunst und Kultur in eine Stadt hineinwirken und wie Räume für Begegnung, Vermittlung und Auseinandersetzung entstehen.

2027 – Art Installing als Praxis des Sorgetragens

Mit den Skulptur Projekten 2027 kommt eine weitere Form der Beteiligung hinzu. Als Rolle als „Head of Installation“ arbeiteten modulorbeat unmittelbar an der Planung und Umsetzung künstlerischer Arbeiten – gemeinsam mit dem Team der Skulptur Projekte und direkt mit den Künstler*innen. Damit liegt die Tätigkeit an einer Schnittstelle zwischen künstlerischer Idee und konkreter Umsetzung. Konzepte werden in Bezug auf Ort, Material, Konstruktion, Technik und Ablauf technisch geplant und gemeinsam entwickelt. Es ist ein Prozess des Abstimmens, Übersetzens, Problemlösens und Realisierens.

skulptur-projekte.de

Beauftragung
LWL / Skulptur Projekte Münster 2027
Fotografie
Thorsten Arendt
Henning Rogge
Christian Richters
Team
Marc Günnewig
Jan-Niklas Kippelt
Jan Kampshoff

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